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    Agile Methoden in der Softwareentwicklung erklärt
    •Aktualisiert am •Softwareentwicklung & IT•

    Agile Methoden in der Softwareentwicklung erklärt

    Kurz gesagt: Agile Methoden in der Softwareentwicklung wie Scrum und Kanban liefern Software in kurzen Abständen in kleinen, nutzbaren Schritten, statt alles vorab zu planen und erst am Ende zu übergeben. Für mittelständische Auftraggeber heißt das: Sie sehen früh echte Ergebnisse, können Prioritäten laufend anpassen und Fehlentwicklungen rechtzeitig stoppen. Der Preis dafür ist Ihre aktive Mitarbeit, vor allem eine Person, die fachlich entscheidet und regelmäßig Zeit hat.

    Wer ein Kundenportal, eine interne Anwendung oder eine Schnittstelle zwischen zwei Systemen entwickeln lässt, hört von fast jedem Dienstleister: „Wir arbeiten agil.“ Was das konkret bedeutet, bleibt oft unklar. Für Geschäftsführung und Fachverantwortliche ist das aber eine wichtige Frage, denn die Arbeitsweise bestimmt, wie viel Kontrolle Sie über Ergebnis, Zeit und Budget haben und wie viel Zeit Sie selbst einbringen müssen.

    Dieser Artikel erklärt die wichtigsten agilen Methoden aus Sicht eines Auftraggebers im Mittelstand, zeigt, wie eine gute Zusammenarbeit aussieht, und nennt die typischen Fehler.

    Was agile Softwareentwicklung bedeutet

    Agile Softwareentwicklung ist eine Antwort auf ein altes Problem: Bei großen Softwareprojekten ändern sich Anforderungen, während entwickelt wird. Ein Lastenheft, das zu Projektbeginn alles festlegt, ist nach einigen Monaten oft überholt. Im klassischen Wasserfallmodell wird das erst bei der Abnahme sichtbar, wenn Änderungen teuer sind.

    Das Manifest für Agile Softwareentwicklung von 2001 formuliert vier Werte: Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge, funktionierende Software wichtiger als umfassende Dokumentation, Zusammenarbeit mit dem Kunden wichtiger als Vertragsverhandlung und Reagieren auf Veränderung wichtiger als das Befolgen eines Plans. Wichtig ist der Zusatz: Die Dinge auf der rechten Seite haben durchaus ihren Wert, die auf der linken werden nur höher gewichtet.

    In der Praxis bedeutet das: Software wird in kurzen Zyklen entwickelt, nach jedem Zyklus gibt es ein nutzbares Ergebnis, das Sie ansehen, ausprobieren und bewerten können.

    Scrum, Kanban und Co.: die wichtigsten Methoden

    MethodeGrundideeGeeignet für
    ScrumArbeit in festen Zyklen (Sprints) von höchstens einem Monat, mit festen Rollen und TerminenNeuentwicklungen mit klarem Produktziel und wechselnden Anforderungen
    KanbanKontinuierlicher Arbeitsfluss, sichtbar auf einer Tafel, mit Begrenzung paralleler AufgabenWeiterentwicklung und Betreuung bestehender Software, laufende Anfragen
    Extreme Programming (XP)Technische Praktiken wie automatisierte Tests, Paarprogrammierung und häufige IntegrationErgänzung zu Scrum oder Kanban, um die Codequalität zu sichern
    Hybride AnsätzeGrober Rahmen mit Meilensteinen, innerhalb davon agile UmsetzungProjekte mit festen Terminen oder Budgetrahmen, etwa bei gesetzlichen Fristen oder festen Startterminen

    Scrum im Detail: Rollen, Termine, Ergebnisse

    Scrum ist die bekannteste agile Methode. Der Scrum Guide (Fassung 2020) beschreibt drei Verantwortlichkeiten:

    • Product Owner: verantwortet, was entwickelt wird und in welcher Reihenfolge. Diese Rolle sollte auf Auftraggeberseite oder sehr eng mit ihr besetzt sein.
    • Developers: setzen die Anforderungen um und entscheiden, wie sie das tun.
    • Scrum Master: sorgt dafür, dass Scrum verstanden und gelebt wird, und räumt Hindernisse aus dem Weg.

    Ein Scrum-Team umfasst laut Scrum Guide typischerweise höchstens zehn Personen. Die Arbeit ist in Sprints organisiert. Jeder Sprint beginnt mit einer Planung, enthält ein tägliches kurzes Abstimmungstreffen des Teams und endet mit einem Review, in dem das Ergebnis vorgestellt wird, sowie einer Retrospektive, in der das Team seine Zusammenarbeit verbessert. Für Sie als Auftraggeber ist das Review der wichtigste Termin: Hier sehen Sie funktionierende Software und geben Rückmeldung.

    Ihre Rolle als Auftraggeber

    Agile Entwicklung funktioniert nur mit einem Auftraggeber, der mitarbeitet. Das ist der wichtigste Unterschied zu einem klassischen Projekt, in dem Sie ein Lastenheft übergeben und auf die Abnahme warten. Konkret brauchen Sie:

    1. Eine entscheidungsbefugte Ansprechperson: Sie kennt die fachlichen Anforderungen, kann Prioritäten setzen und hat regelmäßig Zeit, etwa für Reviews und Rückfragen.
    2. Ein klares Produktziel: Was soll die Software leisten, für wen, und woran erkennen Sie, dass sie erfolgreich ist?
    3. Eine priorisierte Liste: Anforderungen werden nach Nutzen sortiert. Das Wichtigste wird zuerst gebaut.
    4. Bereitschaft, nein zu sagen: Nicht jede gute Idee gehört in die erste Version.
    5. Testende Nutzer: Mitarbeitende oder Kunden, die frühe Versionen ausprobieren und ehrlich Rückmeldung geben.

    Planen Sie diese Mitarbeit von Anfang an in den Arbeitsalltag der Beteiligten ein. Wenn die Ansprechperson das Projekt nur nebenbei betreut, entstehen Wartezeiten, die das Projekt verteuern.

    Budget und Vertrag bei agilen Projekten

    Eine häufige Sorge lautet: Wenn sich alles ändern darf, wird es dann nicht endlos teuer? Die Antwort liegt im Vorgehen. Agile Projekte steuern nicht über einen festen Funktionsumfang, sondern über Zeit und Budget: Innerhalb eines Rahmens wird das Wichtigste zuerst gebaut. Ist das Budget erreicht, haben Sie die wertvollsten Funktionen, nicht eine halbfertige Gesamtlösung.

    Für Verträge haben sich verschiedene Modelle etabliert: Abrechnung nach Aufwand mit Budgetrahmen, Festpreis je Sprint oder je Meilenstein, oder ein hybrides Modell mit festem Umfang für eine erste Version und agiler Weiterentwicklung danach. Klären Sie mit Ihrem Dienstleister, wie Änderungen, Abnahmen und Rechte am Quellcode geregelt sind. Wie Sie entscheiden, ob sich individuelle Software überhaupt lohnt, beschreibt der Beitrag Standardsoftware oder Individualsoftware?.

    Typische Fehler in agilen Projekten

    • Agil als Ausrede für fehlende Planung: Ohne Produktziel und Prioritäten wird nicht agil, sondern planlos entwickelt.
    • Kein echter Product Owner: Niemand auf Auftraggeberseite hat Zeit oder Entscheidungsbefugnis, Rückfragen bleiben liegen.
    • Reviews ausfallen lassen: Wer Ergebnisse nicht regelmäßig ansieht, verliert den größten Vorteil agiler Arbeit.
    • Alles auf einmal wollen: Die erste Version wird mit Funktionen überladen und kommt nie fertig.
    • Qualität opfern: Tests und Dokumentation werden gestrichen, um schneller zu sein. Das rächt sich bei der Wartung.
    • Methode über Ergebnis: Termine und Rituale werden streng eingehalten, aber niemand fragt, ob die Software den Nutzern hilft.

    Agile Entwicklung und KI

    KI verändert auch die Softwareentwicklung selbst. KI-Assistenten schreiben Codevorschläge, erstellen Tests, dokumentieren und finden Fehler. Das kann Zyklen verkürzen, ersetzt aber weder fachliche Klärung noch sorgfältige Prüfung. Gerade weil Code schneller entsteht, werden Reviews, automatisierte Tests und klare Prioritäten wichtiger.

    mysoftwarelab arbeitet selbst mit KI-Agenten aus dem eigenen Cockpit und entwickelt für Kunden Portale, Schnittstellen und individuelle Anwendungen. Mehr dazu auf der Seite zur Softwareentwicklung. Wie sich agile Arbeit insgesamt weiterentwickelt, beschreibt der Beitrag Agile Softwareentwicklung: Trends und Herausforderungen.

    Häufige Fragen zu agilen Methoden in der Softwareentwicklung

    Was ist der Unterschied zwischen agiler Entwicklung und dem Wasserfallmodell?

    Im Wasserfallmodell wird alles vorab geplant und in festen Phasen nacheinander umgesetzt, das Ergebnis sehen Sie erst am Ende. Agile Entwicklung liefert in kurzen Zyklen nutzbare Zwischenergebnisse und erlaubt, Prioritäten unterwegs anzupassen.

    Was ist besser, Scrum oder Kanban?

    Das hängt vom Projekt ab. Scrum eignet sich für Neuentwicklungen mit klarem Produktziel und festen Zyklen. Kanban passt besser zur laufenden Weiterentwicklung und Betreuung bestehender Software mit vielen kleinen Anfragen.

    Wie viel Zeit muss ich als Auftraggeber in ein agiles Projekt investieren?

    Sie brauchen eine entscheidungsbefugte Ansprechperson, die regelmäßig für Reviews, Rückfragen und Priorisierung zur Verfügung steht. Wie viel Zeit das ist, hängt von Projektgröße und Sprintlänge ab und sollte vorab mit dem Dienstleister vereinbart werden.

    Kann man agile Projekte zum Festpreis beauftragen?

    Ja, etwa mit einem Festpreis je Sprint oder je Meilenstein oder mit einem festen Umfang für eine erste Version. Ein Festpreis für einen vollständig festgelegten Funktionsumfang widerspricht dagegen dem agilen Grundgedanken.

    Ist agile Entwicklung auch für kleine Projekte geeignet?

    Ja. Gerade kleine Projekte profitieren davon, früh nutzbare Ergebnisse zu sehen. Der organisatorische Rahmen sollte dann schlank bleiben, etwa mit kurzen Reviews und einer einfachen, priorisierten Aufgabenliste.

    Fazit: Agil heißt mitgestalten

    Agile Methoden geben mittelständischen Auftraggebern mehr Kontrolle über Software-Projekte: frühe Ergebnisse, anpassbare Prioritäten und weniger Überraschungen bei der Abnahme. Voraussetzung ist, dass Sie aktiv mitarbeiten, ein klares Ziel haben und regelmäßig Zeit für Rückmeldung einplanen. Wenn Sie ein Softwareprojekt planen, können Sie einen Termin vereinbaren.

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    Andreas Indorf

    Geschäftsführer mysoftwarelab GmbH

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    20+ Jahre IT-Erfahrung
    Projekte für DAX-Konzerne

    Qualifikation: Gründer der mysoftwarelab GmbH; baut mit seinem Team Unternehmens-Cockpits mit KI-Agenten für den Mittelstand

    Expertise: Über 20 Jahre Entwicklung und Implementierung von IT-Systemen für DAX-Unternehmen und internationale Konzerne. Spezialisierung auf KI-Automatisierung für den Mittelstand seit 2021.

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